NavitestNRW
Neue und innovative Erfassungs-, Verarbeitungs- und Konvertierungsprozesse
Unter dem Motto „Wir schaffen mit NavitestNRW eine
Umgebung für neue Ideen“ sind die Partner EFTAS, GEOsat, LOGIBALL und VCS
angetreten, in einem definierten Testgebiet Benchmarks für neue
Anwendungsfelder der Navigation und Geoinformation zu setzen. Die Partner
nutzten das Testgebiet, um einerseits neue und kostengünstige Methoden der
Datenerfassung zu testen, andererseits die gewonnnen Daten unmittelbar zur
Entwicklung neuer Services und Dienste sowie Navigationskarten einzusetzen.
Moderne und kostengünstige Erfassung von Navigationsdaten der neuen Generation
Wachsende
Metropolen mit dem gleichzeitigen Wunsch nach emissionsarmen Lebensräumen
stellen hohe Anforderungen an die Ballungsräume. Neue Services unterstützen
darin, den Herausforderungen von morgen zu begegnen. Die dazu am Markt
befindlichen Navigationsdaten reichen für die Entwicklung von intelligenten
Fahrerinformationssystemen, einer LKW- oder Fußgänger-Navigation etc. bei
weitem nicht aus. Navigationsdaten der neuen Generation sind gefragt. Das
Projekt NavitestNRW hat in einem begrenzten Testgebiet diese Navigationsdaten
prototypisch erfasst. Von der Autobahn über innerstädtische Fußwege, von
Verkehrsanlagen über Gebäudezugängen bis hin zur Erfassung von Restaurants und
deren Öffnungszeiten ist eine
Informationsdichte entstanden, die bisher in dieser Form nicht vorlag. Und das
mit modernen und kostengünstigen Erfassungsmethoden sowie mit einer
Lagegenauigkeit von bis zu zwei Zentimetern.
Dazu
wurden innerhalb des Projektes verschiedene Formen der innovativen
Datenerfassung entwickelt. Spezielle Methoden erlauben die Auswertung von
Satellitenbildern wie z. B. das großflächige Anreichern von Navigationsdaten
mit Landbedeckungsinformationen. Luftbildinformationen ermöglichen Erfassungs-
und Aktualisierungsdienste, z. B. für Straßenmarkierungen und Verifikationen
von Straßeninformationen. Die Datenerfassung mittels eines Mini-Flugroboters,
eines Quadrocopters, liefert Schrägaufnahmen aus geringer Höhe und damit
ebenfalls neue Möglichkeiten der Datenerfassung, so z.
B. die automatische Bildauswertung und Objekterkennung von Fußgängerüberwegen
und Straßenschildern. Im
Ergebnis wird eine größere Detailtiefe erreicht.
Mobil
Map Engineering: Ein mit Flugrobotern und leistungsfähiger
Verarbeitungstechnologie ausgestattetes mobiles
Labor entwickelt hochpräzise Navigationskarten
Mobiles Map
Engineering ist eine flexible Technologie,
die den Herausforderungen eines sich rasch verändernden oder noch nicht
erfassten Straßen- und Wegenetzes begegnen soll. Der Service dient dazu, direkt
vor Ort neue oder weitaus detailliertere Daten zu erfassen und unmittelbar zu
Navigationskarten zu verarbeiten. Damit werden das Erfassen und Verarbeiten von
Daten, normalerweise aufwändige und voneinander getrennte Prozesse, effizient
an einer Stelle zusammengeführt. Dies spart Zeit und Kosten.

Ganz
konkret verbirgt sich dahinter ein mobiles Labor, das in Form eines Fahrzeugs
mit leistungsfähiger Erfassungs-, Vermessungs- und Verarbeitungstechnologie
ausgestattet ist. Unternehmen unterschiedlichster Branchen eröffnen sich damit
eine Vielzahl an Anwendungsfeldern: Von Schräg- und Senkrecht-Luftaufnahmen über
hochgenaue Einzelpunktvermessungen bis hin zur kompletten Infrastruktur-Erfassung
eines Betriebs-, Fahrzeugtest- oder Forschungsgeländes. Die im Anschluss
vorliegende Datenbasis ist hoch aktuell, denn sie bildet die reale
Datensituation ab, ohne zusätzlich auf dritte Datenlieferanten zurückgreifen zu
müssen. Mobile Mapping bietet sich somit für alle Services an, deren Erprobung und
Realisierung spezifische Navigationskarten benötigen, die so im Markt nicht
verfügbar sind. Das mobile und präzise Erfassen von Navigationsdaten von bis zu
zwanzig Zentimetern Genauigkeit und deren Weiterverarbeitung direkt vor Ort
macht Unternehmen und Forschungseinrichtungen weitaus flexibler und unterstützt
sie darin, neue Services time-to-market zu entwickeln.
Hochgenaue,
vollständige und routingfähige Navigationskarten
für spezifische Anwendungen
Die im
NavitestNRW-Projekt erhobenen, hochpräzisen Daten bieten dem Nutzer einzelne,
interessante Referenzkarten für ein Gebiet mit realem Verkehrsgeschehen und
unterschiedlichsten strukturellen Ausprägungen – von der Referenzkarte des
gesamten Testgebietes bis hin zu weiteren Detailausprägungen für den PKW- und
LKW-Straßenverkehr, die Fußgänger-Navigation oder für das Radtouren- und Naturschutz-Wegenetz.
Und das mit einer Lagegenauigkeit von bis zu zwei Zentimetern. Für die
Anwendergruppen umfassen die Karten alle verkehrs- und Location based
Services-relevanten Inhalte. Sie können sowohl unterstützend in der
Entwicklungsarbeit, aber auch in der Nutzung des Gebietes als reales
Testgelände selbst verwendet und in allen technischen Standardformaten
bereitgestellt werden. Erstmals liegt damit ein Benchmark für einen umfassenden
Qualitätsvergleich von Datenbeständen vor.

Mithilfe des im Projekt entwickelten Quality Grid
kann die Qualität und Informationsdichte unterschiedlichster
Datenquellen visualisiert und analysiert werden. Damit unterstützt das
Tool Unternehmen darin, für eine geplante Anwendung den adäquaten
Datensatz unter zahlreichen öffentlichen, kommerziellen oder freien
Datenangeboten zu wählen.
Konzeptionelle Entwicklung und beispielhafte Implementierung einer flächenbasierten Fußgängernavigation
Ob Weltmeisterschaft oder einfach nur ein Spitzenspiel der
Fußball-Bundesliga – immer geht es um die Frage, wie man Menschen am
sichersten von Punkt A nach Punkt B bewegt. Die Anforderungen eines
Fußgängers an eine Navigation sind komplex. Eine Reduzierung auf die
Eindimensionalität ähnlich der automobilen Navigation führt allerdings
zu einem erheblichen Informationsverlust. Hier setzte das Projekt
NavitestNRW an und entwickelte im Testgebiet Herne-Baukau einen Prototyp
für eine bewegungsflächenbasierte Fußgänger-Navigation.

Das drei km² große Testgebiet zeichnet sich durch
seine besondere Struktur aus, die beides aufweist: Sowohl ein stark
frequentiertes, innerstädtisches Gebiet als auch ein ländliches
Naherholungsgebiet. Systematisch werden alle für eine Navigation
erforderlichen Inhalte wie Art der Wege, Beschilderung, Ampeln,
Zebrastreifen, Points of Interest usw. erfasst. So entsteht eine
hochpräzise Referenzkarte für das Fußgänger-Routing. Um den
Streckenverlauf und letztlich den Zeitbedarf zu ermitteln, folgt der
flächenbasierte Ansatz einem Algorithmus, der auf Widerständen beruht.
Ein neuartiger Ansatz, der das Bewegungsverhalten von Fußgängern sehr
viel realistischer modelliert als alle bisherigen Lösungen. Das Prinzip
dahinter ist denkbar einfach: Je größer der Widerstand (Durch-/
Übergangswiderstand), desto größer die Vorbehalte, diesen Weg zu wählen
und umgekehrt. Um den geometrischen Wegeverlauf zu ermitteln, bedient
man sich der Zerlegung der Fläche in kleinste Einheiten (Dreiecke -
Delaunay-Triangulation). Diese bilden die Grundlage für den Aufbau eines
routingfähigen Graphen auf Flächenbasis, der einem komplexen
Fußgänger-Routing gerecht wird.


